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28|Feb Was macht die Daisy-Bell am Seil vom Helikopter?

Die Sicherheit in unseren Skigebieten steht an oberster Stelle, gerade in diesem Winter waren die Fachleute oft gefragt und gefordert. Dass sich hinter dem lieblichen Namen „Daisy-Bell“ ein neues System zur Pistensicherung befindet, ist neu. 

 

Die Bergbahn AG Kitzbühel setzt auf das neue System. Die „Daisy-Bell“ basiert auf dem Prinzip einer Druckwelle, welche unter die Schneedecke geht. Jedoch wird trotzdem noch mit Hand sowie Gasex oder Sprengmasten gesprengt.  

Unsere Fragen zur Daisy-Bell beantwortet, Daniel Seyr, ein Fachmann, der seit über 8 Jahren bei der Bergbahn AG Kitzbühel beschäftigt ist. Seit 2013 bei der Schneeanlage im Gebiet Pengelstein und seit dem Jahr 2015 ist er Sprengbefugter. 

Mehr noch zur Ausbildung zum Sprengbefugten -> Die Ausbildung zum Sprengbefugten dauert zwei Wochen. Hier lernt man über verschiedene Sprengmethoden bzw. die Berechnung des Gesteins um die richtige Menge an Sprengstoff zu verwenden. Der ganze Kurs umfasst viel Theorie sowie auch Praxis (Munition vorbereiten als auch Zünder und Sprengkapseln zusammen bauen). Es gibt im Anschluß eine Theoretische Prüfung die einen halben Tag dauert.

Bei dem Kurs wird der Umgang mit Sprengstoff geschult, ein Fehler könnte tödlich enden. Nach diesen „Grundkurs“ ist man befugt Gestein zu sprengen. Für Lawinensprengungen bedarf es einen eigenen Kurs. Welcher nochmals 3 Tage dauert. Beide Kurse sind nötig um Lawinen auslösen zu dürfen! Aufbauend gibt es noch weitere Kurse um Munition vom Helikopter auszuwerfen. 

So sieht sie aus, die Daisy-Bell ©Bergbahn AG Kitzbühel

 

Lieber Daniel, bitte erkläre uns in einfachen Worten. Was macht die Daisy-Bell ganz genau? Und vor allem was macht sie so einzigartig?

Die Daisy-Bell funktioniert ganz einfach nach dem Prinzip einer kontrollierten „Gasexplosion“.  Welche durch ein Gemisch von Technischen Sauerstoff und Technischen Wasserstoff gezündet wird. Die Zündung erfolgt via Funk aus dem Helikopter nachdem der Abstand von ca. 1,5-2 Meter erreicht wurde. Dies wird durch einen Entfernungsmesser welche sich am unteren Teil befindet gemessen. Durch das Zünden entsteht im inneren der Daisy-Bell eine Explosion,  welche eine Druckwelle zur Folge hat die unter die Schneedecke geht um so Lawinen auszulösen bzw. die Schneedecke zum Setzen zubringen.

Was die Daisy-Bell so einzigartig macht? Ist auf jeden Fall, dass man Lawinen im steilen Gelände auslösen kann ohne die Sprengmannschaft selbst in Gefahr zu bringen und es möglicherweise keinen gesicherten Fluchtweg vom Sprengpunkt aus gibt. Man erreicht auch Orte bzw. Sprengpunkte schneller, wo man zu Fuß vielleicht gar nicht erst hinkommt.

©Michael Werlberger | Kitzbühel Tourismus

 

Soweit uns bekannt ist, ist die Bergbahn AG  Kitzbühel das einzige Seilbahnunternehmen in Österreich, welches über ein solches System verfügt. Was ist seitens der Bergbahn notwendig um ein solches System nutzen zu können?

Stimmt, die Bergbahn AG Kitzbühel ist das einzige Skigebiet in Österreich, die über dieses System verfügt. Wir sind für die  Wartung bzw. die Einsatzbereitschaft zuständig. Zum Bedienen der Daisy-Bell sind keine extra Kurse notwendig. Da es sich in diesem Sinne nicht um Sprengstoff handelt. Eine kleine Gruppe bestehend aus drei Mann kümmern sich um die Handhabung sowie Wartung der Daisy-Bell und stehen auch stets in Alarmbereitschaft. 

Die Fernbedinung der Daisy-Bell ©Bergbahn Kitzbühel

 

Wieviel wiegt so eine Daisy-Bell und kann man sie an einen ganz gewöhnlichen Helikopter anhängen?

Die Daisy-Bell hat mit den zwei Gasflaschen ein Gesamtgewicht von 550kg.

Man könnte die Daisy-Bell an jeden Helikopter anhängen, jedoch muss der Helikopter eigens verkabelt werden um die GPS Daten der einzelnen Sprengpunkte auswerten zu können, da diese für unsere Dokumentation von hoher Bedeutung ist. In unserem Fall ist der Helikopter der Firma Kitzair verkabelt. Wir stehen in engem Kontakt mit Georg Schuster und seiner Crew um schnellst möglich Einsätze abwickeln zu könnten.

Daisy-Bell ©Bergbahn AG Kitzbühel

 

Kannst du uns zur Reichweite der Daisy-Bell etwas sagen und wie präzise ist die Bell? 

Die Reichweite der Daisy-Bell ist abhängig von dem Tankvolumen des Helikopters. Sowie des Gasdruckes in den zwei Gasflaschen, als auch der Akku des Zündmoduls bzw. der Fernsteuerung.

Im Regelbetrieb können wir ca. 80 bis 90 Sprengungen durchführen, danach müssten wir auf die Reserveflaschen umsteigen. Sollten wir einen Einsatz am Kitzbüheler Horn haben,  gibt es fixierte Flugstrecken wo wir über die Bundesstraße fliegen dürfen. Sollte es zu einem Einsatz kommen welcher sich weiter weg befindet, wird die Daisy-Bell auf einen LKW verladen und dort abgelegt.

Die Präzision der Daisy-Bell ist je nach Aufbau der Schneedecke.  Wenn die Schneedecke vom Wind zusammen gepresst ist, hält sich der Erfolg eher gering. Eine große Rolle spielt auch das Gelände, je steiler ein Hang desto leichter kann ein Schneebrett ausgelöst werden. Jeder Einsatz ist anderes, abhängig von Schnee, Temperatur und Wind. 

Perfekte Aussichten! ©Michael Werlberger | Kitzbühel Tourismus

 

Seit wann ist wird das neue System im Kitzbüheler Skigebiet genutzt?

Die Daisy-Bell ist seit dem Winter 2015 bei uns im Einsatz. Sie wurde ursprünglich angeschafft um die Sicherheit der Brunnbahn sowie die dazugehörigen Abfahrten zusichern. Im selben Zug wurden weitere „Sprengpunkte“ adaptiert, welche sich im gesamten Skigebiet der Bergbahn AG Kitzbühel befinden, Steinbergkogel, Schwarzkogelabfahrt, Skigebiet Jochberg und am Kitzbüheler Horn.  

Stationiert ist die Daisy-Bell im Kompetenzzentrum „Streiteck“.

Was ist eine Schußgebühr? 

Sobald das Skigebiet der Bergbahn AG Kitzbühel gesichert ist, kann sie auch in anderen Skigebieten bzw. Gemeinden „vermietet“ werden, die entstehenden Kosten nennt man „Schußgebühr“. 

Um auch hier die Sicherheit von Straßen bzw. Skipisten zu gewährleisten. Diese Flüge werden von uns in Absprache mit der Firma Kitzair geplant, koordiniert und abgearbeitet. Leider kann ich dir persönlich keine genauen Zahlen der Flugkosten bzw. der Schußgebühr beziffern.

©Bergbahn AG Kitzbühel

 

Noch ein paar Zahlen & Fakten zur Daisy-Bell: 

  • Hubschraubertransport mit 15-30 Meter langem Seil
  • Wird von den Luftfahrtbehörden als Lastentransport eingestuft
  • Autonomie: 50 bis 70 Auslösungen je nach Flaschengröße
  • Gewicht: 390 kg ohne Flaschen
  • Energieautark: Stromversorgung durch aufladbare Akkus
  • Gas-Einströmzeit: 5 Sekunden
  • Steuerung im Cockpit des Hubschraubers mit tragbarem Bedienpult (Funkverbindung)
  • Für Temperaturen bis ‑30°C zertifiziert
  • Integrierte Bodenabstandsmessung
  • Entwicklung unter Einhaltung der europäischen Richtlinien

Hier ein kurzes Video zur Daisy-Bell im Einsatz: Voll auf die Glocke – 3sat.Mediathek 

 

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