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16|Okt Vom Walde-Schnee und Walde-Himmel

Schauspieler Michael Walde-Berger über seinen bekannten Kitzbüheler Maler-Großvater, Alfons Walde.

 

Wenn man durch Kitzbühel spaziert, sind die hübschen pastellfarbenen Häuser im Ortskern unübersehbar. Sie haben sich seit den 1930ern nicht verändert und werden es wohl auch in Zukunft so bleiben. Die ist nur ein kleiner Teil des kulturellen Erbes von Alfons Walde. Dem bekannten Kitzbüheler Maler und Architekten, man sagt, er habe Kitzbühel erfunden.

©Kitzbühel Tourismus – Die bunten Häuserzeilen, nur ein kleiner Teil des kulturellen Erbes von Alfons Walde

„Ich kenn’ so viele Menschen, die, wenn sie auf Skitouren gehen, sagen: „Heut‘ war wieder ein Walde-Schnee und ein Walde-Himmel“, erzählt Schauspieler Michael Walde-Berger über den Effekt der Bilder seines berühmten Großvaters. 

©Kitzbühel Tourismus | Skitour im Gebiet Bichlalm mit Blick auf das Kitzbüheler Horn

 
Das bekannte Kitzbüheler Logo – die Gams stammt von Alfons Walde. 

Nicht zu Unrecht kann man Kitzbühel als Walde-Land bezeichnen: Das bekannte Kitzbüheler Logo – die Gams in elegantem Rot –, entworfen im Jahre 1931 für den Ski Verein, stammt ebenso von Alfons Walde wie die Bergbahnstation am legendären Hahnenkamm.  Alfons Walde war als Kulturreferent tätig und mitunter für die Vorgaben bezüglich der Farbgestaltung der Häuser in der Ortsmitte verantwortlich. Diese sind mittlerweile ein Wahrzeichen in Kitzbühel. Walde war eigentlich ausgebildeter Architekt und verdiente sich seinen Lebensunterhalt mit dem Malen.  Landschaftsbilder, in denen er in verschiedensten Perspektiven,  vom heimischen Bauern am Feld bis hin zu den skifahrenden Wintergästen fing er mit seinem einzigartigen Können auf der Leinwand ein. 

©Dona Grafik – Heiko Mandl Enkel Michael Walde Berger liebt sein Kitzbühel

 

Von der alpinen Landschaft bis hin zu weiblichen Rundungen.

Einige von ihnen waren auch zu seinen berüchtigten Parties eingeladen. „Dort oben, in seinem Atelier”, so Michael Walde-Berger und zeigt uns ein gelbes Haus, von dem aus sich sein Großvater auch der gegenüberliegenden Kirche als oftmaliges Motiv bediente. Der Maler war bekannt dafür, dass ihn weibliche Rundungen mindestens genauso stark anzogen wie jene der alpinen Landschaft. Neben schneeverhangenen Bergen waren Frauen sein liebstes Sujet, wenngleich seine erste Akt-Ausstellung in den 1920ern von den Kritikern geradezu zerrissen wurde. 

Das Darstellen von Wahrhaftigkeit. 

Die tiefe emotionale Bindung zum Land, teilen sich Enkel und Großvater. Aufgewachsen ist Alfons Walde in Kitzbühel. Im Jahr  1891 geboren. Als Sohn eines Schuldirektors, arbeitete er sich  durch Talent und gesellschaftliches Geschick hoch. „Was mich mit dem Großvater verbindet, ist die Suche nach der Wahrhaftigkeit. Und deren Verwirklichung in der Kunst.“ In Waldes Bildern zeigt sich diese im Spiel mit Licht, Perspektive und Tiefe und den fast nicht existenten Gesichtern seiner Protagonisten.

© Kitzbühel Tourismus – Auch eine Erinnerung an Alfons Walde – die Talstation der Hahnenkammbahn

 

Maler, Architekt und Geschäftsmann. 

„Wenn ich mich für eine Rolle vorbereite, konzentriere ich mich auch auf meine festgelegten Akzente, die mir wichtig erscheinen. Der Rest entwickelt sich durch die Fantasie des Zuschauers“, schildert Walde-Berger über seine Erfahrungen an der Lee-Strasberg-Schule in New York der 1980er.  „Gute Schauspielerei nährt sich von wahrhaften Gefühlen. Genauso wie mein Großvater mit seiner Malerei will ich meine Berufung durch mich, in mir, in aller Echtheit spüren.“ erzählt Michael Walde-Berger mit fester Stimme. 

Alfons Walde war ebenso ein guter Geschäftsmann, denn er wusste, wie sich seine Bilder am besten verkauften. Dazu setzte er gerne seine Fantasie ein und verrückte hin und wieder auch mal einmal einen Berg. So verwirklichte er seine Vorstellungen auf der Leinwand.  Seine Bilder geben dem Betrachter ein erhabenes Gefühl, das mitunter auf die Vorliebe des Künstlers, aus der Vogelperspektive zu malen, zurückzuführen ist. „Die verschiedenen Blautöne des Himmels. Die Nuancen des Schnees… Ich glaube, da hat er vielen Leuten aus der Seele gesprochen“, resümiert Michael Walde-Berger.

©Kitzbühel Tourismus – Skitour 2019 mit Walde-Schnee und Walde-Himmel

 

In Kitzbühel zuhause. 

Nach Abschluss der Technischen Hochschule in Wien und seinem Militärdienst im Ersten Weltkrieg zog Alfons Walde wieder in seine Heimat. Trotz Verbindungen zu Künstlern wie Klimt und Schiele, deren Einflüsse sich in seinen Arbeiten wiederfinden, fand er fernab der Stadt seine ganz persönliche Freiheit. In Kitzbühel konnte er “sein Ding durchziehen, denn er war nicht jemand, der sich anpasste”.

© Dona Grafik – Heiko Mandl – Michael Walde-Berger

 

Das Mondäne Kitzbühel.

Neben seinem Atelier hatte Walde auch eine Hütte am Hahnenkamm, wo er malte und im Namen der Kunst mit sexueller Offenheit experimentierte. Dokumentiert anhand einer Vielzahl von Fotos, welche sich in Waldes Nachlass befinden. Ein gelangweilter Künstler ist mit Sicherheit ein schlechter Künstler, und so steht hinter Waldes Wirken seine (Lebens-)Lust als treibende Kreativkraft. Aus der er endlos Inspiration schöpfte, sowie seine Faszination für den Formenreichtum der Frau, den er in der Natur wiedererkannte. Waldes Gemälde wie Bauernsonntag oder Aufstieg der Skifahrer werden mittlerweile im sechsstelligen Bereich dotiert. „Sein Konzept der freien Liebe ging allerdings nicht ganz auf”, schmunzelt Walde-Berger, „er war dreimal verheiratet.”

Obwohl die Bretter der internationalen Bühne locken, zieht es auch Michael Walde-Berger immer wieder nach Kitzbühel. 
„Hier hab ich meine Kindheit verlebt, es war das Paradies“, lacht Walde-Berger. Dadurch entstand für ihn vor allem ein Bezug zu den Menschen – „das Verbindliche, was man im ersten Augenblick nicht wahrnimmt, weil man das mondäne Kitzbühel sieht“.

©Kitzbühel Tourismus – „Hier hab ich meine Kindheit verlebt, es war das Paradies“, lacht Michael Walde-Berger.

„Es tut mir sehr leid, dass ich ihn nicht gekannt habe“, sagt der Schauspieler über seinen Großvater. Durch seine vielen Tagebücher, Briefe und Witzesammlungen hatte er sich posthum vertraut gemacht. „Das liest man und man fühlt sich verwandt, weil man den Schmäh kennt. Er war aber auch ein sehr kritischer Mensch. Ich glaube, wir hätten eine großartige Zeit miteinander gehabt…“ Auch wenn es der Schauspieler als Riesenglück empfindet, in eine Künstlerfamilie hineingeboren zu sein, „kann man letztendlich nur auf das stolz sein, was man selber leistet. Das Schöne am Vermächtnis meines Großvaters ist das Ideelle, denn in seiner Arbeit stecken auch unglaublich viele innere Werte.“

Eine Sammlung von Werken, Alfons Walde (1891-1958) sind im Museum Kitzbühel zu bewundern. 

Wir bedanken uns herzlich für die Zeilen und Bilder welche uns von BEST OF THE ALPS zur Verfügung gestellt wurden.  

Dieser Artikel ist ursprünglich in einer längeren Version bei Best of the Alps erschienen.

Text: Sandra Pfeifer // friendship.is
Bilder: Dona Grafik Design; Heiko Mandl // friendship.is

 

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