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06|Aug TRAILRUNNING – IM LAUFSCHRITT BERGAUF

Wie aus dem Berglauf „Trailrunning“ wurde und welche Strecken am Horn und Hahnenkamm besonders lohnend sind.

 

„Auf die Berge will ich steigen“, sprach einst der deutsche Dichter Heinrich Heine. Vom Laufen hat er nichts gesagt. Kein Wunder. Dass Menschen den Berg im Eiltempo bezwingen, ist eine Erscheinung unserer Zeit. Und hat doch mehr Tradition, als die meisten annehmen. Zumindest in Kitzbühel. Toni Sailer, unvergessener Star der Streif, bewältigte die Rennstrecke im Sommer zu Trainingszwecken bereits laufend bergauf. In den 80er Jahren organisierte Dr. Dr. Herbert Thurner, selbst begeisterter Bergläufer, auf der Ehrenbachhöhe am Hahnenkamm erste Höhentrainingslager. 1979 fand der erste „Hornlauf“ auf das Kitzbüheler Horn statt, der erste „richtige“ Berglauf in Österreich. Das „richtige“ betont Franz Puckl besonders, er hat den Lauf damals ins Leben gerufen. Zuvor gab es in Österreich nur den Gislauf in Linz mit gut 600 Metern Höhenunterschied. Das Horn hält mehr als doppelt so viele Höhenmeter und bis zu 23 % Steigung parat. „DES is a Berglauf!“

Über Stock und Stein beim Gamstrail 2018 – ©Michael Werlberger

 

Heute ist Franz im 84. Lebensjahr, die Probleme mit dem Knie machen das Laufen mittlerweile unmöglich. Das hält ihn aber nicht davon ab, auch heuer bei kleineren Rennen in der Region mitzumachen. Zumindest gehend oder auch hinkend, wenn es sein muss. Was zählt, ist der olympische Gedanke. Gewonnen hat er in seinem Leben schon genug. Pokale und Medaillen füllen bei ihm zuhause in Going ganze Regale und Vitrinen, selbst am Boden sind die Trophäen aufgereiht. Ich bin beeindruckt. Franz hat auch die Nachweishefte aller Läufe, die er seit 1971 bestritten hat, gesammelt und für mich hergerichtet. 70 kleine, schmale Büchlein sind es, in allen sind fein säuberlich die Daten der Veranstaltungen festgehalten. 

Franz wird „Vorläufer“

Als Dreijähriger kam Franz einst nach Kitzbühel, zu seinen Schulkollegen zählte auch Toni Sailer. „Mia wår’n a gånze Clique.“ Er wurde Tischler und arbeitete später 30 Jahre lang bei der Firma Schlechter, heute Intersport Kitzsport in Kitzbühel. Mit dem Laufen fing er an, als seine Fußballkarriere zu Ende ging, in den 70iger Jahren. Damals schwappte von Amerika die „Jogging-Welle“ über unser Land. Sie erfasste auch Franz und seine Kollegen wie Simon Brunner, den „Brunner-Simal“. Ein Stück gehen, ein Stück laufen, dann wieder gehen, … so bewältigten Franz und seine Freunde klassische Wanderveranstaltungen wie den Karwendelmarsch. Und irgendwann gingen sie ganz aufs Laufen über. Damit waren sie quasi „Vorläufer“ und gehörten zu den ersten Bergläufern in Österreich. Und weil Franz immer schon zu organisieren verstand, gründete er den Hornlauf, den Berglaufcup, später mit einem Partner den Seegrube-Lauf in Innsbruck und viele weitere regionale Veranstaltungen, die zum großen Teil heute noch durchgeführt werden.

Für seine Arbeit als Veranstalter und als Vertreter des ÖLV (Österreichischer Leichtathletik-Verband) erhielt er zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen.

Franz Puckl war einer der ersten Bergläufer Österreichs – Foto©Fanz Puckl privat

 

Das Horn ist unerbittlich

Beim ersten Hornrennen waren über 300 Läufer am Start. Das Wahrzeichen der Kitzbüheler war und ist gefürchtet bei Läufern wie Radlern: Die 12,9 km lange Strecke weist nach km 3,6 nur Steigungen – und zwar bis zu 23 Prozent – auf und gönnt den Sportlern keine Verschnaufpause. Die persönliche Bestzeit von Franz liegt bei 1:11 Stunden, sie brachte ihm einen Platz unter den besten 20 ein. Rekordhalter auf das Kitzbüheler Horn ist seit 18 Jahren Jonathan Wyatt mit 56 Minuten, 58 Sekunden.

Franz war nicht nur am „Horn“ erfolgreich unterwegs, er hat auch fast 20 Hundert-Kilometer-Läufe in Wien, Florenz, Biel (Schweiz) und so weiter in den Beinen. 20 Jahre lang hielt in Tirol sein Rekord von 7:57 Stunden für diese Distanz.

Vom Berglauf zum Trailrunning 

Als Franz noch selber lief und veranstaltete, gab es noch „Bergläufe“ und keine „Trailrunning-Events“. „Des is ois a Geschäftssache“, meint er. Alles hat sich verändert, in der Organisation, aber auch bei den Sportlern selbst. Auch wenn sich die Zeiten geändert haben, die Faszination ist dieselbe geblieben. Trailruns wie der Gamstrail, der heuer am 21.09. 2019 zum zweiten Mal in Kitzbühel stattfinden wird, erfreuen sich steigender Beliebtheit. Nicht nur bei den Gästen, sondern auch bei den Einheimischen. Denn viele, die bislang nur im Tal unterwegs waren, wagen sich nun auch an Bergstrecken. In Kitzbühel sind die Bedingungen dafür optimal.

Die sanften Grasberge sind durchzogen von einem dichten Netz an Wanderwegen, viele davon eignen sich auch zum Laufen. Wer sich die Höhenmeter auf das Horn oder den Hahnenkamm sparen will, schwebt in den Gondeln nach oben und genießt auf den Höhenwegen die herrliche Aussicht. Läufer halbieren einfach die angegebene Gehzeit auf den gelben Wander-Tafeln und haben so einen Richtwert.

Der Hornlauf zog schon vor Jahrzehnten Sportler aus aller Welt an. Foto©Franz Puckl Privat

 

Die schönsten Strecken

Günter Waldinger kennt die besten Laufstrecken in der Region. Er ist begeisterter Hobbyläufer und hat gemeinsam mit seinem Bruder den „Trans Alpine Run“ absolviert – in sechs Tagen von Deutschland nach Südtirol, jeden Tag zwischen 30 und 50 km Distanz und zwischen 2.000 und 4.000 Höhenmeter. Mehr muss er mir nicht erklären, ich bin im Bilde …

Der 53-jährige Jochberger kam durch den Freundeskreis zum Sport – im Sommer Wandern und Laufen, im Winter Langlaufen und Skitouren. Als Vertriebsleiter von „Goreware“, einer Tochter von Goretex, ist er für Österreich und Osteuropa zuständig und damit auch beruflich eng mit dem Sport verbunden. In den letzten Monaten hat er auf Initiative von Kitzbühel Tourismus mit Georg Überall und der Bergbahn AG Kitzbühel an der Erstellung einer neuen Trailrunning-Karte für Kitzbühel mitgearbeitet. Sie enthält Laufstrecken wie die Seidlalm-Runde, den Ganslern Trail oder den Gebra Trail. „An der Stelle mecht i mi a nu bei de Grundeigentümer bedanken für die Kooperation“, meint Günter.

Wer alle 24 beschriebenen Trails meistert, hat fast 18.000 Höhenmeter geschafft. Zu den Strecken, die er persönlich am liebsten läuft, zählt die Sintersbacher Runde mit dem Wasserfall, einem schönen Steig hinauf zur Jochberger Wildalm und dann wieder hinunter ins Dorf. Landschaftlich ein Genuss ist auch die Strecke vom Kitzbüheler Horn bis hinüber zur Bichlalm, sie weist nur wenige kurze Anstiege auf und führt meist sogar leicht bergab. Wer es ein wenig anspruchsvoller mag, läuft umgekehrt, von der Bichlalm zum Horn. Oder von der Bichlalm zur Auracher Wildalm. Oder, oder, oder. Hier gibt es -> „Möglichkeiten gibt’s bei uns ohne Ende.“

Auf der Trailrunning-Karte sind 24 Strecken ausgewiesen.

 

Wenn Günter von den Laufstrecken spricht, kommt er richtig in Fahrt. Ganz kurz habe ich Bedenken, dass er unterm Gespräch aufspringen und davonrennen könnte. Aber nein, er beherrscht sich.  Auch wenn das Trailrunning nur ein neuer Name für einen traditionsreichen Sport ist, hilft es doch, eingesessenen Wanderveranstaltungen wieder neues Leben einzuhauchen. Wo immer auch eine Trailstrecke angeboten wird, steigt die Nachfrage. Kitzbühel liegt mit dem Gamstrail also ganz im Trend.

Günter Waldinger Pvrivat in seinem Element – dem Berglauf. Foto©Günter Waldinger Privat

 

Laufen macht glücklich

Ob laufen oder wandern, langlaufen oder bei Skitouren die Gipfel „unsicher“ machen, für Günter zählt die Bewegung in den Bergen. Sie hält ihn gesund und fit, in der Natur holt er sich die Kraft für Beruf und Alltag. Natürlich hat er auch den Hornlauf schon mehrmals mitgemacht. Aber nicht jeder muss sich gleich dieser extremen Herausforderung stellen. Unsere Grasberge heißen jeden Wanderer und jeden Läufer willkommen. Die Wanderwege sind gut ausgeschildert, im Prinzip kann man sich am bestehenden Netz orientieren und sofort los starten. Im Tal oder am Berg. Was zählt, ist die Freude an der Bewegung, an unserer wunderbaren Bergwelt.

Die Sintersbacher Runde führt am Wasserfall vorbei – eine sehr beliebte Runde in Jochberg. ©Michael Werlberger

 

Das ist es auch, was für Franz immer noch überwiegt. Das ist der Grund, warum er noch heute unterwegs ist mit seinem lädierten Knie. Auch wenn der Körper nicht mehr so will: Den Geist verlangt es nach dem Glücksgefühl, das sich beim Laufen und Berglaufen einstellt, nach dieser Zufriedenheit, die nur körperliche Betätigung mit sich bringt.  In diesem Sinne: Laufschuhe anziehen und nichts wie raus!

Auf zu den nächsten Trailrunning Terminen bei uns in Kitzbühel,  Int. Kitzbüheler Horn Berglauf  &  2. Gamstrail Kitzbühel 

Wir bedanken uns ganz herzlich für den Text und die Bilder, welche uns mit freundlicher Genehmigung von „Bei ins dahoam“ Magazin zur Verfügung gestellt wurden.  

 

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