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21|Jun Tradition in Kitzbühel: Ein Erlebnis für Augen und Ohren

Wenn sich am zweiten Donnerstag nach Pfingsten die Kitzbühelerinnen und Kitzbüheler zur Fronleichnamsprozession treffen, begibt sich die Stadt einen Vormittag lang auf eine Reise in die Vergangenheit. Während die Schaufenster und Häuserfassaden ihr unverwechselbares Aussehen behalten, verströmen hunderte Mitglieder der Kitzbüheler Traditionsvereine lebendige Geschichte.

Das „Hochfest des heiligsten Leibes und Blutes Christi“, wie Fronleichnam offiziell heißt, feiert die leibliche Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie. Meint es der Wettergott gut mit den Kitzbühelern, zelebrieren sie dieses katholische Hochfest im Rahmen eines Umzuges durch die Stadt. Angeführt von einem Kreuzträger und der Stadtmusik schreiten die heimischen Traditionsvereine im Takt von der Stadtpfarrkirche über Vorder- und Hinterstadt bis zur Kapuzinerkirche und wieder zurück. Nicht nur die andächtige Stimmung macht die Prozession zu einem eindrucksvollen Erlebnis, auch die historischen Trachten und Uniformen sorgen für Aufsehen. Wie oft sieht man heutzutage noch eine bewaffnete Schützenkompanie, Trachtler oder Röcklgwandfrauen?

Angeführt wird die Fronleichnamsprozession von einem Kreuzträger und der Stadtmusik © alpinguin
Angeführt wird die Fronleichnamsprozession von einem Kreuzträger und der Stadtmusik © alpinguin

 

Die Damen im Kasettl

Vor allem letztere zeigen sich selbst in der Gamsstadt nur rund fünf Mal im Jahr. „Die wichtigsten Tage für uns sind Fronleichnam und Erntedank“, erzählt Anna Werlberger, stolze Trägerin eines Röcklgwands. Die Tracht, die auch Kasettl genannt wird, ist bis heute im Tiroler Unterland verbreitet. Trägerinnen finden sich heutzutage wieder mehr als noch vor einiger Zeit. „Vor rund 20 Jahren gab es bei uns nur noch drei oder vier Röcklgwandfrauen, mittlerweile werden wir immer mehr“, berichtet die Kitzbühelerin. Neben der Repräsentationsaufgabe leben sie und ihre Kolleginnen das alte Brauchtum, um „alles von früher, die ganzen alten Traditionen aufrecht zu erhalten“. Das Röcklgwand selbst ist das beste Beispiel dafür. Die Trachten werden nämlich nicht neu angefertigt, sondern vererbt. „Und wenn eine Trägerin nicht mehr mag, dann werden die Kasettl für die nächste aufbereitet“, so Werlberger.

An Tagen wie Fronleichnam fühlt sich die Ortsbäuerin in ihrem Röcklgwand wie ein Star: „Wenn wir ausrücken, werden wir natürlich oft fotografiert, vor allem von den Touristen. Uns geht es in erster Linie natürlich um die Tradition. Aber der Tourismus macht die Tradition ja zu einem gewissen Grad miterlebbar, insofern gehört das dazu“, lacht Anna Werlberger.

Tradition seit 150 Jahren

Nicht weniger oft müssen die Mitglieder des Kitzbüheler Trachtenvereins „Landsturmgruppe 1809“ als Fotomotiv herhalten. Dass der Name dieses Traditionsvereins das Jahr des Tiroler Volksaufstandes unter Andreas Hofer beinhaltet, dürfte kein Zufall sein. Schon in den 1860er Jahren traf sich eine illustre Runde, um Trachten und Brauchtum zu erhalten. Heute zählt der Trachtenverein stolze 204 Mitglieder und wie einst steht die Tradition an erster Stelle: „Es ist eine wichtige Säule für Kitzbühel, dass man die Trachten aufleben lässt, um sie nicht zu vergessen“, sagt Andreas Obermoser, Obmann des Kitzbüheler Trachtenvereins.

Rund 15 bis 20 Mal rücken Abordnungen seiner Mitglieder im Jahr aus. „Wir sind bei allen kirchlichen Anlässen wie Fronleichnam oder Ostern und besuchen auch Feiern von übergeordneten Trachtenverbänden“, so Obermoser. Das große Highlight für ihn und seinen Verein steht aber noch bevor. Am 29. und 30. Juni wird das 150-jährige Bestehen des Kitzbüheler Trachtenvereines gefeiert. „450 Kinder führen am Samstag verschiedene Tänze in der Stadt auf und am Sonntag erwarten wir über 1050 Trachtenträger“, erzählt der Kitzbüheler. Der Höhepunkt der Feierlichkeiten ist der Festgottesdienst Sonntagvormittag, der am Sparkassenplatz mitten in der Stadt stattfinden wird. „Im Anschluss gibt es einen großen Festumzug mit allen Trachtenträger“, so Obermoser weiter.

Die unterschiedlichen Kitzbüheler Traditionsvereine bei der Fronleichnamsprozession © alpinguin
Die unterschiedlichen Kitzbüheler Traditionsvereine bei der Fronleichnamsprozession © alpinguin

 

Auf den Spuren von Andreas Hofer

Sorgen die Trachtler und Röcklgwandfrauen für optische Besonderheiten, so macht der Schützenverein auch akustisch auf sich aufmerksam. Gleich zweimal im Rahmen der Fronleichnamsprozession schießen die bewaffneten Schützen eine Ehrensalve. Das Abfeuern von Schüssen während eines Gottesdienstes mag zwar seltsam anmuten, hat aber Tradition seit dem Tiroler Freiheitskampf 1809. „Einerseits basiert unser Brauchtum auf unserer Heimattreue, andererseits vertreten wir Andreas Hofer, der 1809 für unser Vaterland gekämpft hat. So gesehen, stehen wir für eine moderne Verteidigung und schützen unsere Heimat“, erklärt Johann Pletzer, Hauptmann der Schützenkompanie. Zusammen mit 223 anderen Tiroler Schützenvereinen hüten sie die Werte, die dem Bundesland ureigen sind.

Anders als bei den anderen 223 Kompanien hat Fronleichnam in Kitzbühel einen besonders hohen Stellenwert. „Normalerweise feiern die Schützen den Herz-Jesu-Sonntag, den dritten Sonntag nach Pfingsten. Bei uns wurde das aber schon seit langem mit Fronleichnam gleichgesetzt“, erzählt der Hauptmann, „also feiern heuern nur die Trachtler diesen Tag groß.“ 

Tradition für Augen und Ohren

Ob Fronleichnamsprozession, das Trachtler-Fest, der Jahrmarkt oder die sommerlichen Platzkonzerte: Die Kitzbüheler Stadtmusik ist mit ihrem 153-jährigen Bestehen weder bei kirchlichen noch weltlichen Traditionsveranstaltungen wegzudenken. Während die Kapelle im Rahmen der katholischen Hochfeste tragende und andächtige Musik anstimmt, ist das Programm der wöchentlichen Platzkonzerte (ab 2. Juli in der Vorderstadt) deutlich bunter: „Eine genaue Richtung gibt es nicht wirklich. Wir wollen ein breites Spektrum abdecken,  damit für jeden ein Leckerbissen dabei ist“, erklärt der Obmann der Stadtmusik, Michael Schwanninger. Von einem Weissbacher-Stückerl über Glenn Miller bis zu Gangnam-Style wird alles zu hören sein. „Natürlich auch einen traditionellen Marsch. Aber das mit der Tradition ist so eine Sache, denn man muss schauen, was von einer Tradition erhaltenswert ist und was man anpassen muss. Auch die Fronleichnamsprozession hat sich im Lauf der Jahrhunderte weiterentwickelt“, erklärt Schwanninger.

Das Gleiche gilt übrigens für den beliebten Jahrmarkt der Stadtmusik, der jedes Jahr am ersten Samstag im August stattfindet: 1930 war der Hauptpreis beim sogenannten Glückstopf noch ein lebendes Schwein. Ob man damit heutzutage „Schwein hätte“?

Weitere Traditionsveranstaltungen in Kitzbühel finden Sie hier

 

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