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31|Aug Skibergsteigen – Skitourgengehen, bald olympisch?

Skibergsteigen – voll anerkannte Sportart vom IOC (International Olympic Committee) seit 2016, dennoch noch keine olympische Disziplin. Im Jahr 2020 wird das ÖSV-Team bei den Youth Olympic Games vertreten sein. Wenn  alles gut geht, könnte es 2022 oder 2026 so weit sein, dass Skibergsteigen als olympischer Bewerb in das Programm mit aufgenommen wird. Dies berichtet uns voller Stolz Matthias Gumpenberger, Trainer vom Nationalteam (ÖSV – Österreichischer Ski Verband) Skibergsteigen. 

©MichaelWerlberger – Kitzbüheler Horn

Skibergsteigen voll im Trend 

Letzte Woche fand der erste Trainingskurs „Skibergsteigen“ im Rahmen der Vorbereitung auf die kommende Wintersaison in unserer Region statt. Ein Teil der Nationalmannschaft sowie aus dem Nachwuchsbereich absolvierten das „Skiroller –Training“ auf das Kitzbüheler Horn sowie im Biathlonzentrum in Hochfilzen.

Sehr umfangreich war das Training, auf dem Rad, in den Laufschuhen oder mit dem Skiroller. Es geht um die Ausdauer, die Beinarbeit und natürlich auch die Armkraft. Sehr wichtig für die kommende Saison, in welcher man auch entsprechend erfolgreich sein möchte. 

©WilliSeebacher – bergauf am Kitzbüheler Horn

Training, Training und nochmals Training

Unter der Leitung von Matthias Gumpenberger (Nationaltrainer) und Georg Wörter (Nachwuchsreferent Tirol) ging es auch um das Techniktraining. Dies wurde dann anschließend auch gleich in der Praxis mit den Skirollern auf das Kitzbüheler Horn absolviert.  

Skibergsteigen bzw. Skitourengehen ist die am stärksten wachsende Sportart bei uns. Immer mehr begeisterte Skitourengeher sind abseits der Pisten bzw. auf Skirouten unterwegs. Es ist ein großartiges Gefühl am Gipfel zu stehen und anschließend durch den Pulverschnee abzufahren. 🙂

Wir wollen auf alle Fälle mehr zur neuen jungen Sportart beim ÖSV wissen. Matthias Gumpenberger, Nationaltrainer Skibergsteigen hat unsere Fragen dazu gerne beantwortet.

©WilliSeebacher – Trainingsgruppe am Kitzbüheler Horn

Meine erste Frage wollte ich schon stellen als ich zum Ersten Mal über das Skibergsteigen gelesen habe. Warum Skibergsteigen? Bin selbst begeisterte Skitourengeherin, was ist hier der genaue Unterschied Matthias?

Die Liebe zur Natur und im speziellen zu den (verschneiten) Bergen ist wohl einer der Hauptgründe um mit dem Skibergsteigen zu beginnen. Vergleicht man „das klassische“ Tourengehen mit dem Skibergsteigen, ist der Hauptunterschied wohl im Material zu finden. Um konkurrenzfähig zu sein, muss Ski, Bindung und Schuh möglichst leicht sein. Mit einem Gesamtgewicht von mindestens 1250g (Schuh, Bindung, Ski), ist der Aufstieg möglichst schnell zu bewältigen.

In der Abfahrt stellt das leichte Material wiederum eine große Herausforderung dar. Durch das umfangreiche Ausdauertraining sowie das geringe Gewicht sind sehr schnelle Aufstiegszeiten zu erreichen. Beim Skibergsteigen geht es darum mehrere Anstiege und Abfahrten möglichst schnell zu absolvieren. Zusätzlich sind meist noch Tragepassagen im ausgesetzten Gelände zu bewältigen. Die Abfahrten sind im schwierigen freien Gelände und somit ist es auch wichtig, dass die Athleten über ausgezeichnete skifahrerische Fähigkeiten verfügen.

©WilliSeebacher – mit dem Skiroller auf das Kitzbüheler Horn

Kannst du uns zu deinem Werdegang kurz was erzählen und seit wann bist du beim ÖSV für diese neue junge Sportart tätig?

Ich komme eigentlich aus dem Radsport. Im Wintertraining hat mich allerdings immer schon das Tourengehen interessiert, meine Begeisterung dafür ist stetig gestiegen. Bald war es dann so, dass ich das Sommertraining genutzt habe um im Winter fit zu sein. Nach diversen Instruktoren und Trainerausbildungen habe ich ein Sportwissenschaftsstudium begonnen und dieses heuer abgeschlossen. Seit der Saison 2015/16 bin ich nun als Trainer bei den Skibergsteigern tätig. Seit letzter Saison haben wir mit Josef Gruber einen neuen sportlichen Koordinator.

Matthias, wie können sich unsere Leser so einen Trainingskurs vorstellen? Wie ist der Tagesablauf und wie wird trainiert?

Das hängt stark vom Zeitpunkt des Trainingslagers ab. Aktuell stehen noch die Sommersportarten im Vordergrund: Rennrad, Mountainbike, Trailrun, Bergtouren. Je näher wir zur Wettkampfsaison kommen, umso spezifischer wird auch das Training. Das heißt, ab Oktober geht es zum spezifischen Schneetraining auf den Gletscher. Aktuell steht nach wie vor das umfangbetonte Ausdauertraining im Vordergrund. Auch Kraft- sowie Koordinationstraining und Techniktraining runden diese Vorbereitungsphase ab.

Dieses Trainingslager beinhaltete den Schwerpunkt der Skiroller. Neben einem umfangreichen Techniktraining stand auch das Ausdauertraining mit den Skirollern auf dem Programm (Steinplatte & Kitzbüheler Horn). Wir haben auch immer diverse Vorträge eingeplant wie z.B. Training, Ernährung, Material, Reglement, oder wie in diesem Fall Social Media.

Tagesablauf: Meist kurzes aktivieren vor dem gemeinsamen Frühstück, dann im ausgeruhten Zustand eine Einheit zur Technik, nach dem Mittagessen und einer kurzen Pause gemeinsames Ausdauer- und/oder Krafttraining. Nach dem Abendessen noch aktive oder passive Regenerationsmaßnahmen (Sauna, mobilisieren, dehnen, Massage…).

©WilliSeebacher – Ausdauertraining

Es ist ja noch ein langer Weg bis zu den olympischen Spielen? Was passiert in der Zwischenzeit? Wie sieht so ein Winter für die Athleten wettkampfmäßig aus?

Die Heurige Wettkampfsaison startet im Dezember mit einem Weltcup in China, weiter geht es mit Villars in der Schweiz, Andorra, Puy Saint Vincent in Frankreich, den europäischen Meisterschaften in Italien auf dem Etna, sowie dem letzten Weltcup in Madonna di Campiglio. Neben den Weltcups gibt es auch noch so genannte „La Grande Course“ Rennen. Diese umfassen mehr Kilometer und mehr Höhenmeter und werden im Team gegangen und auch als Etappen Rennen absolviert.

An den Weltcup Standorten findet immer ein Individual Rennen und entweder ein Vertical oder Sprint Rennen statt. (außer China: Vertical und Sprint).

Ist es schwierig hier ausreichend Sponsoren zu finden? Der Alpine Skisport ist hier sicherlich das größere Zugpferd ?

Richtig, wir sind noch eine kleine Sportart aber wie schon gesagt im Wachsen. Dennoch ist es nicht ganz leicht Sponsoren zu finden, wobei ich sagen muss, dass wir sehr treue Sponsoren haben die uns schon mehrere Jahre begleiten. Auch seitens des ÖSV haben wir den perfekten Beistand. Man merkt auch, dass das Interesse an dieser  Sportart immer größer wird und daraus vielleicht mehr Sponsoren ihr Interesse zeigen.

©WilliSeebacher – nach getaner Arbeit 🙂

Wie als sind die Athleten und wie läuft deren schulische Ausbildung? Gibt es einen speziellen Zweig in den Sportschulen? 

Wir haben von den Jugendklassen (Jahrgang 2003) bis hin zu den Erwachsenen einen bunt gemischten Kader. Wir sind dabei in den diversen Ski oder Nordisch orientierten Schulen auch Plätze für Skibergsteiger zu bekommen. Dabei gibt es bereits Gespräche und es wäre natürlich interessant wenn unsere jungen Athleten ihren Sport neben der Schule ausüben können.

Wie sieht es mit dem Nachwuchs in diesem Bereich aus? Weil ja bekanntlich die Jugend weniger Sport betreibt als noch vor 10 Jahren? Wie siehst du das?

Die Nachwuchsarbeit ist auch bei uns ein großes Thema. Derzeit gibt es noch sehr wenige Vereine die aktiv das Skibergsteigen ausüben. Daher ist es auch schwierig einzelne Talente zu finden und zu fördern. Allerdings merkt man schon, dass aktive Skibergsteiger die selber Kinder haben, diese gleich für diese Sportart begeistern können. Auch Quereinsteiger erzielen bei uns sehr häufig tolle Erfolge (Langläufer, Biathleten, Skifahrer, Radsportler, also Athleten die aus anderen Ausdauersportarten in das Skibergsteigen einsteigen). Unsere Vision wäre die Installation von Vereinen die Ihrerseits Trainings für den Nachwuchs abhalten, die Kinder und Jugendlichen trainieren und wir dann die Talente mit in den Kader aufnehmen können.

Start zum Vertical UP Kitzbühel – ©MichaelWerlberger

Welche Voraussetzungen soll man für diese Sportart mitbringen?  

Die Hauptanforderung beim Skibergsteigen ist ganz klar die Ausdauerleistungsfähigkeit und dabei im speziellen an die aerobe Ausdauer. Diese erreicht man durch umfangbetontes Grundlagentraining. Allerdings sind auch andere Fähigkeiten vonnöten um in dieser Sportart erfolgreich zu sein: Kraft, Koordination und natürlich auch Technik (Aufstieg aber im speziellen auch in der Abfahrt). Gute Skifahrer können sich in der Abfahrt Kraft sparen und haben somit mehr „Körner“ für den nächsten Anstieg. Da beim Individual mehrere Anstiege und Abfahrten zu bewältigen sind, muss der Athlet in der Lage sein sehr schnell vom Aufstiegs in den Abfahrtsmodus und umgekehrt zu wechseln (Abfellen, auffellen, Ski auf den Rucksack). Die besten „fellen“ in unter 10 Sekunden ab. 🙂

Hast du noch ein paar Tipps zum „GEHEN“  für „normale“ Skitourengeher? Vielleicht auch für Übungen während der schneefreien Zeit?

Ideal ist natürlich, wenn man sich für die Skitouren Saison bereits im Sommer gezielt vorbereitet. Dann fällt im Winter das Starten um einiges leichter und macht auch mehr Spaß. Deshalb bietet es sich an im Sommer mit lockern Grundlagentrainings die aerobe Ausdauer zu schulen. Dabei kann sich jeder das geeignete Trainingsmittel aussuchen: Rennrad, Mountainbike, Trailrun, Berg gehen oder Skiroller. Dabei soll das Trainingsmittel bevorzugt werden, das gefällt.

Kombiniert mit Kraft und Koordinationstraining legt man den Grundstein für eine gute Fitness um in den „Skitourenwinter“ zu starten. Wenn man am Wochenende die längeren Touren plant und eventuell auch noch unter der Woche Zeit für kürzere Einheiten findet, erreicht man eine tolle Fitness bis zum Start des Winters. Häufig sehe ich bei Sportlern, dass das Training zu intensiv betrieben wird. Der Großteil des Trainings sollte sich wirklich im sogenannten Grundlagenbereich befinden. Als obligatorisch sehe ich, dass jeder Tourengeher einen LVS Kurs (Lawinen Kurs) besucht hat und sich perfekt mit der eigenen Notfallausrüstung auskennt. Auch ein Verständnis für die Lawinen Situation ist notwendig um im Gelände richtige Entscheidungen treffen zu können. 

©WilliSeebacher – laufend unterwegs!

Matthias, was kannst du uns zu deinen Zielen erzählen? Wie soll sich Skibergsteigen in den nächsten Jahren entwickeln?

Nachdem wir letzte Saison bereits Podest Plätze erreicht haben und auch aktuell mit Andrea Mayr, die Weltmeisterin im Verticalbewerb stellen. Tolle Ergebnisse in der Espoir Kategorie (WM Bronze im Vertical durch Alexandra Hauser und Manuel Seibald) aufweisen können, rechnen wir auch heuer wieder mit Spitzenplätzen und eventuell einem Sieg bei den Herren. Generell wollen wir die Mannschaftsleistung noch steigern um auch im Nationenranking nach vorne zu rücken. Insgesamt haben wir im letzten Jahr eine tolle Entwicklung erlebt, wir können sehr wohl mit den großen Nationen (Italien, Frankreich, Spanien, Schweiz) mithalten. Als Fernziel haben wir klar die olympischen Spiele im Fokus.

Generell denke ich, dass die Dichte von Jahr zu Jahr zunehmen wird. Man merkt deutlich, dass viel mehr Athleten Podest Anwärter sind. Wenn das Skibergsteigen auch als olympischer Bewerb aufgenommen wird, wird es nochmals einen Schub erleben. Hier ein paar Tipps für Skitouren bei uns in Kitzbühel. 🙂

Lieber Matthias, lieben Dank für deine interessanten Antworten! Wir wünschen Dir und Deinem Team weiterhin viel Erfolg und freuen uns immer über euren Besuch! 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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