Aus der Kategorie Sport & Freizeit

25|Apr Magie des Wanderns – oder Entschleunigung am Berg!

Wer mit Engelbert Prohaska, Wanderführer bei Kitzbühel Tourismus, durch die Natur wandert, kommt wunderbar bei sich selber an.      

 

Mit einer knappen halben Stunde am „Entschleunigungslift“, wie unser Wanderführer Engelbert Prohaska liebevoll den Sessellift auf die Bichlalm nennt, beginnt die heutige Wanderung. Ein guter Einstieg wie wir finden, ohne Hast und Eile die Kitzbüheler Berglandschaft erkunden. „Ihr habt nichts davon, wenn ihr oben mit hängender Zunge ankommt“, sagt er. Wandern soll man auf alle Fälle genießen.

Das Sehen der Wiesen und Gipfel, das Riechen der Blumen und Kräuter, das Hören der eigenen Schritte soll einfach nur entspannen. Dass unsere kleine Schnupper-Wanderung heute mit einer kurzen Beschleunigung endet, hat jedoch andere Gründe. Aber immer schön der Reihe nach.

©Florian Lechner - sicher durch den Nebel mit unserem Engelbert
©Florian Lechner – sicher durch den Nebel mit unserem Engelbert

 

„Wandern boomt, keine Frage“

Als wir aus dem Lift steigen, liegt die Bichlalm noch halb versteckt im Nebel. Wir befinden uns auf 1.600 Meter, man kann die Natur buchstäblich riechen. „Ich wünsch mir für euch, dass es heute noch aufreißt“, sagt Engelbert lächelnd. Heute zeigt sich der Sommer eher von seiner melancholischen Seite. Es könnte sich aber auch schnell ändern, so unser Wanderführer, der seit über 16 Jahre im Auftrag von Kitzbühel Tourismus mit größeren und kleineren Gruppen die Berge rund um die Gamsstadt erwandert.

Egal ob bei strahlendem Sonnenschein oder frisch fallendem Pulverschnee, bei Minusgraden oder schweißtreibenden Temperaturen. Er begleitet lange Wanderungen bis zu 6 Stunden oder auch kurze, die etwa nur drei Stunden dauern. Mittlerweile werden auch Schnupperwanderungen angeboten – für Menschen, die wissen wollen, ob das „Wandern“ überhaupt das richtig für sie ist. Seine Klientel sind wanderbegeisterte Menschen oder solche, die wissen wollen, was dran ist an der Magie des Wanderns. 

Sie kommen aus der ganzen Welt, es sind ältere Menschen, aber in den letzten Jahren kommen immer mehr jüngere dazu. „Wandern boomt, keine Frage“, sagt Engelbert freudig.  

©Florian Lechner - mit Engelbert fast am Gipfel
©Florian Lechner – mit Engelbert fast am Gipfel

 

#MagieDesWanderns

Woran das seiner Meinung nach liegt? „Wenn man andauernd mit den Füßen am Boden ist, erdet man sich intensiv und bekommt ganz viel Energie zurück. Außerdem haben wir hier diesen Grüneffekt“, erzählt er und meint damit die beruhigende Wirkung, die die Almwiesen, Waldbäume und -sträucher im Sommer ausstrahlen. Ganz abgesehen vom wunderschönen Panorama, das der Wilde Kaiser und die Hohen Tauern einem hier bieten. „Man muss sich vorstellen, dass hier 3000 vor Christus schon Leute gelebt haben. Damals haben sie Kupfer abgebaut. Die haben schon gewusst, wo sie hingehen. Diese Magie fühlt man hier ganz stark“, so Engelbert, der aus Zams „zuag’raste Oberländler“.

Obwohl er kein „echter Kitzbüheler“ ist, konnte er sich als Wanderführer etablieren. Die Begeisterung für die Berge liegt ihm im Blut („Schon als kleiner Lederhosenbua bin ich von Zuhause abgehaut und rauf auf den Berg.“) nach ein paar Jahren als Bankangestellter zog es ihn an die  Alpinschule Innsbruck. Dort erhielt er seine Ausbildung und auch die Möglichkeit, Berge außerhalb Österreichs kennen zu lernen: „Ich habe in Irland geführt, in Schweden und Norwegen, auf Madeira, Korsika, Sizilien und Kreta. Ich war in Sri Lanka und als ich nach Nepal durfte, hat sich mein großer Traum erfüllt.“ 

©Florian Lechner - mit dem Sessellift die Bichlalm hinauf - Entscheuligung pur!
©Florian Lechner – mit dem Sessellift die Bichlalm hinauf – Entscheuligung pur!

 

Der Weg ist das Ziel

Und unser Ziel heute ist der Stuckkogel auf 1888 Höhenmetern. Eine kurze Wanderung, denn es sieht nach Regen aus. Wir gehen stetig bergauf, treffen auf Eierschwammerl, schwarz glänzende Bergsalamander, die Heilpflanze Arnika und Moor. Wir steigen über niedrige Zäune, folgen Engelbert auf unbegangenen Pfaden und riechen an den schwarzpurpurnen Blüten des Blutröslis, die nach Vanille duften und nur in Höhenlagen wie dieser gedeihen.

Kühe mit Kleeblättern im Maul, die uns im Weg stehen, bittet Engelbert mit einem lauten und gleichzeitig beschwichtigenden „Jo, Jo“ darum, uns vorbeigehen zu lassen. Sie schauen uns lange an und verlassen gemütlich kauend den Weg, der uns zum Gipfelkreuz führen wird.  

©Florian Lechner - wir haben es genossen!
©Florian Lechner – wir haben es genossen!

 

Beim Wandern kommen D’Leut zam!  

Wer wandert so mit Engelbert? In der Hochsaison kann es durchaus vorkommen, dass er mit bis zu 25 Personen unterwegs ist. 80 Prozent seiner Schäfchen sind Stammgäste. Bunt  zusammengewürfelte Gruppen aus „Alten“, die schon alles über die hiesige Fauna, Flora und Historie erfahren haben, und den „Neuen“, die jedes seiner Worte aufsaugen und viele Fragen stellen.

Die Herausforderung besteht darin, den Wissensdurst der einen zu stillen ohne die anderen dabei zu langweilen. „Dann sag ich immer zu den Stammgästen: „Kommt’s, ihr könnt schon mal vorgehen, ihr kennt ja das schon’“, so Engelbert. Ein guter Wanderführer zu sein erfordert schon ein wenig mehr als eine umfassende Kenntnis des Wegenetzes. Ein Gespür für den Menschen und das richtige Taktgefühl tragen ihren Teil dazu bei. Der Gast soll ja wieder kommen. „Das Wichtigste ist aber, authentisch zu bleiben. Und das Schönste ist, das Leuchten in den Augen der Gäste zu sehen, wenn wir am Gipfel ankommen“, schwärmt Engelbert.

©Florian Lechner - Am Gipfel!
©Florian Lechner – Am Gipfel!

 

Den Gipfel erreicht!

Unsere Augen strahlen auch am Gipfel. Man kann es nur nicht so richtig sehen bei dem Wetter. Mittlerweile bedecken die Kapuzen der Regenjacken unsere Gesichter. Engelberts Wunsch für uns ist leider nicht in Erfüllung gegangen: Die Wolken sind nicht dem blauen Himmel gewichen, sondern haben langsam, aber stetig angefangen zu regnen. Unser Gipfelmoment ist kurz, aber intensiv. 

Als wir nach etwa 15 Minuten die Bichlalm erreichen, sind unsere Hosen nass. Wie gut, dass es dort einen Kamin zum Aufwärmen gibt. Den Rest erledigen rote Kuscheldecken, die uns zusammen mit einem kleinen Haselnussschnaps wärmen.  

©Florian Lechner - ob die Wolken der Sonne noch weichen?
©Florian Lechner – ob die Wolken der Sonne noch weichen?

 

Wir bedanken uns herzlich für die Zeilen und Bilder welche uns von BEST OF THE ALPS zur Verfügung gestellt wurden.  

Dieser Artikel ist ursprünglich in einer längeren Version bei Best of the Alps erschienen.

Text: Martha Miklin // friendship.is
Bilder: Florian Lechner // friendship.is

 

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