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01|Feb „Ich würde das X-Alps gerne zum 5. Mal gewinnen“

Lieben Dank an Bruno Petroni, Reporter/Gleitschirmpilot aus Interlaken, der uns hier etwas Einsicht in die Trainingseinheiten seines Schützlings Chrigel Maurer  gibt und auch gleich alles in Bildern festgehalten hat. DANKESCHÖN!

Die beiden Herren unterwegs zum Training

Der Schweizer Gleitschirm-Berufspilot Christian „Chrigel“ Maurer bereitet sich zur Zeit intensiv auf das X-Alps vor – ein Gleitschirm-Biwakrennen, welches in den bisherigen sieben Austragungen von Salzburg über den gesamten Alpenkamm bis ans Mittelmeer nach Monaco führte, Luftliniendistanz 1.000 Kilometer. Die Teilnahme an den beiden Vertical-Up-Rennen von Kitzbühel und Wengen gehört für Chrigel zum Trainingsprogramm. Die Vorfreude bei Chrigel Maurer auf Kitzbühel ist gross: „Ein idealer Wettkampf für mich, denn hier kann ich mich über eine kurze Distanz mit grosser Höhendifferenz an der Leistungsgrenze mit internationaler Konkurrenz messen, ähnlich wie auch beim Abenteuerrennen X-Alps, um zu einem idealen Startplatz zu gelangen.“ Wir blickten dem Gleitschirm-Champion bei einem seiner Trainingsläufe über die Schultern. 

Es geht bergauf für Chrigel Maurer

Für Chrigel Maurer ist es eine von vielen Trainingseinheiten – nichts aussergewöhnliches. Reine Routine: Etwas über 1.300 Höhenmeter von Mürren aufs 2.970 Meter hohe Schilthorn, knapp acht Kilometer, maximale Steigung 75 Prozent, sein sechs Kilo Pack mit Gleitschirm und trockenen Kleidern am Rücken. Eigentlich bewältigt er die exakt selbe Strecke, welche die 1.850 Teilnehmer des legendären Infernorennens, des längsten und verrücktesten Skirennen der Welt, kürzlich in die Tiefe gedonnert sind. Während seines Aufstiegs über die stellenweise pickelharte Skipiste kommen ihm immer wieder Skifahrer und Snowboarder entgegen. Nach gut 100 Minuten hat er den Berglauf geschafft. Ohne sich für einen wärmenden Tee oder einen Kaffee Zeit zu nehmen, zieht Maurer gleich weiter zum tief verschneiten Startplatz und macht sich für den Talflug parat: «Der Nebel zieht immer mehr ins Lauterbrunnental hinein. Ich will unten sein, ehe es tuet>.» Sagt er und entschwebt mit seinem 14 Quadratmeter kleinen «Trainingsschirmchen» in die Lüfte, um knapp zehn Minuten später in der klirrenden Kälte von Stechelberg zu landen.

Bergab geht’s mit dem Gleitschirm

Verzicht auf den Weltcup

Zur Zeit stehen 10.000 Höhenmeter pro Woche auf dem Programm – einiges davon mit Tourenski. So beginnt für Chrigel Maurer in diesen Tagen mit dem Berner Alpencup an der Grimmialp (Diemtigtal) auch die Skitouren-Rennsaison. Und in Kitzbühel und am Lauberhorn will er wiederum am Vertical-Up teilnehmen, dem ultimativen Berglauf über die Weltcup-Abfahrtsstrecken. Er überlegt sich gerade, ob er alte Turnschuhe mit einigen Gewindeschrauben bestücken soll, weil die Spikes seiner Trainingsschuhe für die vereisten Weltcuppisten zu wenig griffig sind. Die Teilnahme am zur Zeit laufenden Gleitschirm-Weltcup-Superfinal im brasilianischen Valadares liess er aus; für Chrigel hat die X-Alps-Vorbereitung absolute Priorität. «Im Moment, wo ich das Grundlagentraining absolviere, geniesse ich die vermehrte Zeit, die ich mit meiner Familie habe. Ab April werde ich das Training dann erheblich intensivieren.

Laufend steil bergauf…….

Ziel: Der fünfte X-Alps-Sieg

Chrigel Maurer nimmt kein Blatt vor den Mund: «Ja, es ist mein Ziel, das X-Alps zum fünften Mal zu gewinnen. Der Sieg wird mir dieses Jahr wichtiger sein als auch schon. Es wäre einfach schön, quasi <eine Hand voll X-Alps-Siege> zu haben.» Aber setzt sich der vierfache Champion damit nicht selber unter enormen Druck? «Nicht unbedingt. Wenn ich am 2. Juli am Start stehe und mir zugestehen kann, bei der Vorbereitung alles Bestmögliche getan zu haben, nimmt mir diese Gewissheit den Druck weg.» Seit 2009 gewann der 34-jährige Frutiger jede der alle zwei Jahre ausgetragenen Prüfungen über 1.000 Kilometer, an welcher sich jedes Mal 30 der weltbesten Gleitschirmpiloten beteiligen. Mit 6 Tagen und 23 Stunden hält Chrigel auch den Streckenrekord.

Bequem im Gleitschirm

Unbekannte Faktoren

Noch bleiben Chrigel für das kommende X-Alps ein paar Unbekannte. So wird vom Veranstalter die Wettkampfstrecke erst im April bekanntgegeben. Es ist nicht mal sicher, ob das Rennen wiederum von Salzburg nach Monaco führen wird. Auch die Frage des Flugmaterials ist noch offen. Maurer wird sich zu entscheiden haben, ob er wiederum auf einheimisches Schaffen zählen und mit einem Schirm des Thuner Herstellers Advance AG fliegen soll oder nicht. Nach vier erfolgreichen Teilnahmen zog sich ausserdem Maurers Betreuer Thomas Theurillat (Matten) zurück; neuer Betreuer ist der Beatenberger Tobias Dimmler.    

Zusammen geht’s leichter…….

Portrait Chrigel Maurer

Christian «Chrigel», geboren am 27. Juli 1982 in Adelboden, deshalb in der Szene auch «Adler von Adelboden» genannt – nicht zuletzt deshalb, weil er auch schon mit Adlern gemeinsam geflogen ist. Hob als Neunjähriger erstmals ab und begann mit 16 Jahren wettkampfmässig mit der Fliegerei. Heute wohnt Maurer in Frutigen.

Fast über den Wolken……
  • Dreifacher Gesamt-Weltcupsieger (2005, 2006, 2007),     Europameister 2004, fünffacher Schweizermeister.
  • 2004 Europarekord im Streckenflug, 323 Kilometer vom Niesen ins österreichische Tösens.
  • 2009 Weltrekord im Infinity Tumbling mit 210 Loopings innerhalb von sechs Minuten.
  • Vierfacher X-Alps-Sieger (2009, 2011, 2013 und 2015), Streckenrekordhalter in 6 Tagen, 23 Stunden und 40 Minuten (2013).
  • 2014 Sieg am X-Pyr, einem dem X-Alps gleichenden Biwakrennen über 439 Kilometer in den Pyrenäen.
  • 2015 Streckenrekord FAI-Dreieckskurs über 292 Kilometer.

Chrigel Maurer wird medial betreut von Bruno Petroni, Reporter und Gleitschirmpilot aus Interlaken.

Steiler geht’s immer……

Das X-Alps

Das X-Alps ist ein Gleitschirm-Biwakrennen über den gesamten Alpenkamm mit Start in Salzburg und Ziel in Monaco. Die Athleten dürfen sich nur zu Fuss oder mit dem Gleitschirm fliegend fortbewegen. Bei ihren Fußmärschen müssen sie die gesamte Flugausrüstung jederzeit auf sich tragen. Wegen Sichtflugregeln dürfen die Teilnehmer jeweils ab 21 Uhr nicht mehr fliegen; nachts gilt zwischen 22.30 Uhr und 5 Uhr morgens Ruhezwang. Jeder Athlet darf einmal einen so genannten Nightpass beziehen, also während einer Nacht durchlaufen, jedoch nicht fliegen wann er diesen Freipass für eine Nacht beziehen will, bleibt jedem selber überlassen.

Schnee bergauf und noch schneller bergab…..

Sämtliche bisherigen, alle zwei Jahre stattfindenden Austragungen sahen einen Schweizer Sieger: 2003 Kaspar Henny (Obersaxen), 2005 und 2007 Alex Hofer (Heimberg), 2009, 2011, 2013 und 2015 Chrigel Maurer (Frutigen). Die Rekordzeit von 6 Tagen, 23 Stunden und 40 Minuten wurde 2013 von Chrigel Maurer aufgestellt. Organisator des X-Alps ist die österreichische Firma Zooom Productions – Hauptsponsor ist Red Bull. 

Verfasst in Interlaken am , 26. Januar 2017 von  Bruno Petroni

Wir wünschen Chrigel Mauerer für den Vertical Up bei uns in Kitzbühel und für seine weiteren Herausforderungen viel Erfolg! 

 

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